
Mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution zur Vernichtung aller Schlafmohnfelder in Afghanistan ist im Dezember 2004 in Kabul die nationale Anti-Drogen-Konferenz beendet worden. Mit internationaler Unterstützung will Afghanistan gegen die Drogen-Kartelle vorgehen. Zwar gehört die Drogenbekämpfung weiterhin nicht zum Aufgabengebiet der Deutschen Kontingente der ISAF. Aber deren Stationierungsgebiete liegen im Nordosten des Landes; mitten in den Mohnanbaugebieten. Die Vernichtung von Drogenfeldern dürfte daher auch die Sicherheitslage der Bundeswehr in Afghanistan radikal verschlechtern.Beseitigung des Schlafmohnanbaus
Beendigung der wirtschaftlichen und sozialen Abhängigkeit vom Opium
Beseitigung der Netzwerke zur Vermarktung
Reduzierung der Nachfrage in Afghanistan und anderswo
Diese Ziele verfolgen sie aber nicht erst seit diesem Frühjahr sondern bereits seit Mai 2003. Gleichwohl ist Afghanistan nach dem Drogenbericht des United Nations Office on Drugs an Crime (UNODC) wieder zum größten Drogenanbaugebiet der Welt geworden. Auf inzwischen 131.000 Hektar wurden 4.200 Tonnen Opium produziert. Das entspricht 87 % des Weltmarktvolumens. Die Angaben über den Erlös schwanken zwischen 600 Mio. und 2,8 Mrd. US-Dollar. Auf jeden Fall aber bescheeren die Gewinne den Bauern das fünf bis zehnfache dessen, was sie mit dem Anbau anderer Pflanzen erwirtschaften könnten. Hinzu kommt, dass die anspruchslose Schlafmohnpflanze den kargen Bedingungen des Landes nahezu ideal angepasst ist. Sie braucht wenig Wasser und wächst beinahe überall.
Safran, Rosenöl, Honigmelonen oder Wildreis, die von der Regierung als Alternativen benannt werden, sind weitaus anspruchsvoller und längst nicht so profitabel. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Bauern aufgrund der Verminung von Anbauflächen gezwungen sind ihr Familieneinkommen aus kleineren Flächen zu erwirtschaften und das Gros der Bevölkerung den Drogenanbau auch nicht als illegal und unmoralisch begreift. Der Drogenanbau in Afghanistan ist kein Geschäft weniger Krimineller, sondern durchwebt die gesamte Gesellschaft. Geschäftsleute handeln gleichzeitig mit Teppichen, Stoffen, Reifen, Elektrogeräten, Weizen und Drogen.
Obwohl sich erste Großhändlerstrukturen gebildet haben und der Anteil der Bauern am Gewinn bei wohl nur 1 % liegt, verdienen viele Menschen in Afghanistan ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau und Handel der Drogen bzw. Rohstoffe. Das meiste wird immer noch von Kleinhändlern umgeschlagen und auch Milizen und Kriegsfürsten verdienen an dem Anbau. Denn die Bauern zahlen ihnen einen zehnprozentige Abgabe für die Bewachung der Felder und auch die Händler zahlen ihnen Geld für den Zugang zu den Dörfern. Selbst landlose Bauern pachten Äcker von Grundbesitzern und können so das Auskommen ihrer Familien sichern, während die Alternativen und Ersatzzahlungen der Regierung nicht zum Leben reichen. Nicht zuletzt wird sogar den staatlichen Akteuren immer wieder nachgesagt, selbst an den Drogengeschäften zu verdienen.